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Wenn es gilt, Abschied zu nehmen

Textilmalerei "Abschied ..."

„Abschied“ GERELCA Textilmalerei

Ein geliebter Mensch stirbt

Sie begleiten Ihren sterbenden Partner oder ein Elternteil, Sie betrauern Ihr verstorbenes Kind, Ihre Freundin beging Selbsttötung… Vielleicht sind Sie zurzeit in einer ähnlichen Situation, vielleicht sind Sie selbst betroffen und Ihr Arzt hat Ihnen die Diagnose einer lebensbedrohenden Krankheit eröffnet. In jedem Fall ist es eine anstrengende und wichtige Zeit, die der Achtung und Wertschätzung bedarf.

Sie sind berührt im tiefsten Schmerz. Die Schmerzerfahrung ist es, die innere Veränderung bewirkt. Sie erschließt Kraftquellen, lässt uns den Lebensstrom tiefer erreichen, der im irdischen Leben verankert ist und eine tiefe Verbindung im Geist ermöglicht. Jedes Sterben bietet die Möglichkeit inneren Wachstums für die Lebenden.

Abschied

(“Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschaun, das, da es mich, mich rufend, gehen ließ” Rainer M. Rilke)

Das kommt und geht und zögert nicht, mich anzusehn.

und hält mich hin im Auf und Ab und lässt mich gehn.

Und hält mich nicht und weiß, dass es das könnte,

und wollte doch nicht, dass auch ich es weiß,

weil es mir weiter nicht sich selber gönnte

zersprengt es den gewahrten Kreis.

Was ich gekannt und was an dir mich rührte,

ist eine Saite, die noch immer klingt,

und wo ich deine Nähe spürte,

war deine Tiefe, die im Bogen schwingt,

den du gezogen über meinen Leib.

Und in dem süßen Lied hieß es: Ich bleib.

Leid

Hast du Leid
so nimm es ganz
tief und still
in dich hinein.
Wehr´s nicht ab,
denn es ist dein.
Durch die leidgefüllten Hände
wird noch manche Träne rinnen.
Doch hier ist noch kein Ende.
Leid heißt immer:
Neu beginnen.
So geläutert kehrst du heim.
Aufgeben wär nicht das Ende.
Neu musst du werden,
neu wirst du sein.

Leiden und trauern sind Wachstum in die Tiefe der Seele.
Tief und weit wie der Ozean sind Leben und Sterben in die
unendliche Zeit eingebettet.

Abend
Auf dem Friedhof
Chaotisch - eben Leben

Der Tod ist immer unterwegs

Er wird mit absoluter Sicherheit kommen:
Zu denen, die auf ihn warten müssen
Zu denen, die bereit sind
Zu denen, die sich darauf freuen, dass dann endlich Leid und Schmerzen ein Ende haben
Zu denen, die jetzt allein bleiben müssen und trauern. Manchmal folgen sie einem geliebten Menschen schnell, oft greift aber das Leben und sogar die Liebe noch einmal nach ihnen, damit sie sich besser trösten können
Zu denen, die das überhaupt nicht erwarten, aber deren Weg zu Ende ist (Vielleicht, weil in einer neuen Inkarnation eine Aufgabe auf sie wartet, die nur einzig und allein von ihnen gelöst werden kann)
Zu denen, die in ihrer Unrast ihr Herz überfordern
Zu denen, die in die Stille gegangen sind, um sich auf ihn vorzubereiten
Zu denen, die zu laut sagen, dass sie ihn nicht fürchten, kommt er plötzlich und mit Gewalt
Zu denen, die sich nie mit ihm befassen wollten
Zu denen, die vor Angst, gehen zu müssen im schönsten Augenblick, körperlich und seelisch versagen
Zu allen kommt er, irgendwann…