Alle Gedichte unterliegen dem © Gerel Calow

Tatsächlich, noch kein Gedicht von 2017 hier!

Blendend

Da treff ich jemand, der mich mag.
Und spüre schon, wenn ich ihm sag,
dass das bei mir Gefühle weckt,
wie schnell er den Bedarf entdeckt,
den er ja schon seit Wochen hatte,
so landen wir dann auf der Matte..

Jedoch auf einmal, ach du Schreck,
da geht die Erektion schon weg,
bevor das Schönste kommen kann.
Er tut mir leid, der arme Mann.
Und ich? Bin auf mich selbst gestellt
und spiel allein, was mir gefällt.

Bloß macht das mir nicht wirklich Freude.
Also wollen wir es wagen
und nicht nach der Ursach fragen.
Kaum können wir es nun erwarten,
neuen Versuch im Bett zu starten
nach dem Liebesbrieflein heute.

Aber er konnte wieder nicht.
Ja, da bleibt nur der Verzicht.
Nach blendenden Worten
an andern Orten.
Erwartungen hat er geweckt -
wer weiß denn, was dahinter steckt.

Bei alten Böcken kann ich verstehn,
dass die Potenzen abwärts gehn.
Doch bei dem schönen, jungen Mann
versteh ich nicht, dass er nicht kann.
Weil er kein Argument mehr hat,
liegt es an mir – das neue Patt…

Wer zockt, der kann verloren gehn -
die Chance bleibt für andre schön!

Laus über Leber

Da war ein Tag irgwendwann.
als wieder mal etwas begann:
Schlechte Laune trotz Sonnenschein,
trotz Blütenregen und Blumen klein,
trotz Farbenpracht und frischem Grün,
ich setze mich mal lieber hin.

Wie kommt das bloß, ich bin
ganz wirr in meinem Sinn,
allein zu bleiben war nie mein Ziel,
zu lieben ist doch ein süßes Spiel.
Muß ich mir den Kerle selber backen?

Aber wer könnt das Rezept mir geben?
Die Amsel singt bei Sonne und Regen,
ich singe nicht mehr. Eigentlich schade,
ich liebte Gesang in hohem Grade,
doch jetzt hat meine Stimme Macken.

Es fehlt das Training und die Luft,
der Atem ist zu rasch verpufft,
sogar das Reden, wie ich finde,
fällt schwerer mir, ist nicht gelinde.
Mir bleibt zu oft die Spucke weg…

Balkon geputzt, Frühlingsgefühle!
Mal scheint die Sonn, doch es ist kühle
im Zimmer und erst recht im Schatten,
kenn ich, weil wir´s schon früher hatten.
Doch in der Therme bin ich keck

und hab ein heißes Höschen an,
schön kuz, knapp auch, oh Mann, oh Mann,
und trotzdem beißt kein Fischlein an.
Kein Flirt, kein Date, was mach ich dann?
Benehme mich wie eine Pute

und zieh genervt nur meine Schnute.
Dafür gehörte mir die Rute…
Ja, wäre schön – oder ein Hammer
für mich allein bei allem Jammer.
Die Laus muss raus aus meiner Tute.

Welt

In der Heimat der Täuschungen
knallen die Gegensätze aufeinander.
Lug sind Schwarz oder Weiß.
Trug sind Gut oder Böse.
Lachen wäre schön und Träume –
mit Freunden bei Brot und Wein sitzen,
arglos plaudern, vergnügt summen
alte Melodien und Texte im Kopf.

Pseudorhythmen klingen aus offenen Fenstern –
so tanzt das Leben nicht, so nicht!
Wild hetzt es mich manchmal,
bevor es leise ganz verstummt.
Meine abgeschliffenen Kanten brennen
wie alle Narben irgendwann sich melden.
Immer diese schalen Witze dummer Leute
reißen sie wieder gewaltsam blutig auf.

Über den Wolken

Über den Wolken ist der Himmel immer blau.
Über den Wolken bin ich keine kleine Frau.
Über den Wolken da ist niemand ganz allein.
Über den Wolken werd ich niemals einsam sein.

Lieder klingen überall, laut und leise
geht der Schall himmelwärts
Lachen und auch weinen oft
wird zu Liedern und man hofft
so vergeht der Schmerz.

Über den Wolken bindet uns das blaue Band.
Über den Wolken gehen die Menschen Hand in Hand.
Über den Wolken ist wohl immer Sonnenschein.
Über den Wolken gibt es nicht mehr dein und mein.

Unter den Wolken schaffen Menschen Tag und Nacht,
denn im Denken hat die Arbeit Macht.
Glüht die Sonne fern am Himmelszelt
oder scheint nicht, weil grad Regen fällt,
ruhn die Hände von des Tages Müh.
Doch Gedanken kreisen spät und früh:

Über den Wolken gibt es nicht mehr deins und meins.
ÜBER DEN WOLKEN, DA IST ALLES EINS.

Nur ein Text

Sonne tanken

Sonne hauchte heiß über den Wall.
Strahlen flossen gerade herab, Farbspiele
kündeten von hundertfältiger Tiefe.
Grüne Täler, rot und weiße Häuser am Hang,
blau, und in lichterem Blau die Bergzüge dahinter
und immer ferner und unwirklicher die helllichten Gipfel
der Schneeberge und Gletscher. – Alpenträume –
Darunter der dunkel anmutende Wald
von Tannen und Fichten, Sandkiefern, Kastanien und roter du grüner Ahorn.
Meine Maleraugen hängen daran, saugen durstig die Farborgien ein.
Sammeln lustvoll und konzentriert Augenblicke aus flimmerndem Licht.
Mein violetter Hut zaubert einen seltsam verzerrten Schatten von mir.
Er liegt und bewegt sich auf dem kiesigen Pfad gegen die flammende
grüne Waldeskühle.
Ein graues Felsstück am Wegrand lädt mich zum Sitzen ein.
Es öffnet sich vor mir der Blick auf ein kleines Schloss mit Kapellchen.
Kleine Häuser daneben friedlich gebettet wie in eine Mulde.
Neugier treibt mich vorwärts zu einem Torbogen.
Ein lehmfarbenes Haus mit blauer Tür und blauen Fensterrahmen.
Eine Frau holt Wasser aus einem Brunnen und tränkt fünf braune und grauweiße Ziegen.
Fast erschrocken richtet sie die dunklen Augen auf mich,
wirft eine hellbraune Haarflechte auf den Rücken.
Auf ihrer gebräunten Haut glänzt ein silberner Armreif.
Das lose blaue Kleid reicht fast bis an die Knöchel der nackten Beine.
Kleine Füße, deren Zehen mit Henna bemalt sind, wippen lustig.
Der linke Handrücken ist mit einer Hennarose verziert.
Um den Hals trägt sie einen dünnen Silberreif mit einem Bergkristall.
Dann nimmt sie aus den Falten des Kittelkleides einen kleinen Becher,
füllt ihn mit dem Quellwasser und bietet ihn mir an.
Hastig und lächelnd greife ich zu, nippe an dem kühlblauen Silber darin.
Ah! Ich trinke es langsam aus. Wie durstig hat mich doch die Wanderung gemacht.
Dabei trank ich doch während der ganzen Zeit Sonnenlicht und Farben!
Ein kleines Mädchen mit dunklem Kraushaar und kurzem Röckchen
erhebt sich von der Bank im Hausschatten und schmückt eine Ziege
mit einem geflochtenen Blumenband rot, weiß, gelb und blau,
von denen sie sich selbst aufgesetzt hat, darunter lachen ihre Augen.

Verzaubert

Irgendeine Magie stürzte sich auf mich:
Ich sehe Töne, höre Farben, rieche Sonne,
kann Bässe fühlen, Rhythmen schmecken –
Feuer rast in den Därmen – das hört nicht auf.
Hitze flammt in den Schatten,
meine Füße wirbeln wie Wind,

meine Augen schmachten in Melodien,
muss den Regen kosten, der silbern glänzt,
denn er kommt vom Mond,
mich an einen starken Baum schmiegen,
Gras essen und goldenen Mais.
Mein Kopf dröhnt vom roten Wein,

dunkles Brot liegt in der Strohschale.
Knoblauchduft drückt auf die Ohren,
Erde schmilzt wie Butter im Mund –
Genug des Lärmens – magisch
bricht alles zusammen.

Heilige Ruhe legt sich
wie ein marineblaues Tuch
über mich …

abfotografiert, Quelle unbekannt

Ein Gastmahl, abfotografiert (Quelle unbekannt) aus Zettelwust

Unvergess´ne Zeit

Die unvergess´ne Zeit
wird nie Vergangenheit –
ist ständig in Gedanken uns so nah.
Und tut es uns auch leid,
um die Vergesslichkeit
für anderes, das Schöne ist stets da.

Auch wenn die Nacht verrinnt,
ein neuer Tag beginnt
mit jungem Sonnenschein und frischem Grün,
auch Regenwolken kommen ganz bestimmt:
Das Dunkel geht vorbei und aller Mut wird neu.
Die grauen Nächte müssen sich verziehn.

Das Lachen kommt zurück
mit Blüten Stück für Stück
sehn wir dem Frühling zu und all dem Blühn.
Die Regentropfen sind
wie Tränen bei ´nem Kind
erst traurig, doch sie glänzen sonnenschön,

Und rasch getrocknet wieder,
singen wir kleine Lieder
und reimen fleißig, was uns so gefällt.
Mit Scherzen geht es leicht.
Was man im Spaß erreicht,
wird Glück im Herzen, wo es sich gut hält.

Die unvergess`ne Zeit
wird erst Vergangenheit,
wenn wir eingehen in die Ewigkeit.

Zeit fließt

Im Nu verrinnt die Zeit
und wird Vergangenheit.
Erst dann sind wir bereit,
die Welt mit andern Augen anzusehn.

Die Erde dreht sich weiter,
mal Regen und mal heiter
und nie wird frau gescheiter,
alles muss trotzdem weiter gehen.

Verflixte Traurigkeiten!
Der Blick sollte sich weiten,
bei allen Fähigkeiten
sich die Verzweiflung manchmal eingestehn.

Was wird ich tun? Ich will nicht ruhn.
Die Erde ist so schön,
wenn Mensch und Blumen blühn
und auch der Herbst hat wundervolle Farben.

Ich halte nicht gern still
und alles, was ich will
ist: Nicht an Mangel darben.

Flehe das Universum an:
„Zeig mir den Weg, was ich noch kann.“
Es ist – verdammt – so schwer!
Oft fühl ich mich so leer
und ausgepumpt an manchen Tagen.

Bringt denn die Zeit Verstand?
Das liegt doch auf der Hand:
Ein jeder Weg bringt immer neue Fragen.

So wird das Leben doch
nur fraglich und ein Joch.
Wie soll ich denn den Kummer tragen?

Bin alt und so allein.
Das sollte nicht so sein.
Doch hilft´s ja nicht, zu klagen.

Will mich heut konzentrieren
und fasten und probieren:
Geht´s besser dann mit leerem Magen?

Krieg ich das Schreiben hin,
wenn ich des Lebens müde bin?
Ich möchte nicht verzagen.

Im Nu verrinnt die Zeit,
ist schon Vergangenheit –
in alle Ewigkeit.
Sinnschaffend schreiben und nicht klagen!

Wärme

Zarte Haut und blaue Augen,
warmes Streicheln, sanfter Kuss –
fast kann ich es noch nicht glauben,
Zeit für uns im Überfluss.

Alle Sinne zu erwecken –
und es reicht nicht nur ein Gruß –
will ich meinen Körper strecken,
stärken meinen Blutzufluss

in das Herz und ins Empfinden,
wohin traf des Pfeiles Schuss.
Will mich in der Wärme winden
wohlig schauernd mit Genuss.

Manchmal ist ein sonst unglaublich
prophezeites Wörtchen wahr.
Wenns wir´s nehmen um zu tun
und nicht nur um auszuruh´n.
Manchmal ist der Schwachsinn tauglich
uns zu führen wunderbar…

Der Birkenbock

Ich bin nicht nur ein Gartenstock,
ich bin der Birkenbock
und springe nachts, wenn keiner späht.
Ich kann die Schnecken hörn,
Wie sie sich laut empörn,
dass es zu viele Menschen gibt.

Gebeutelt ist der Wald
weil Menschen jung und alt
in ihm nicht nur auf Wegen gehn.
Sie treten auf uns drauf
und stoppen ihren Lauf
nicht mal, wenn unser Haus zerbricht.

Wie Schnecken tratschen,
beim Fressen matschen
und sehr laut schmatzen,
ich kann es hören
ohne zu stören.
Wie sie´s genießen,
wenn Wasser fließen,
ich höre das, es macht mir Spaß.

Ich bin nicht nur ein Stock,
ich bin der Birkenbock.
Drum spielen Schnecken
bei mir verstecken.
Wenn sie mich necken:
„Du Birkenfass.“

Sie trinken lange,
ich bin nicht bange,
an meiner Wange
und auch im Gras.
Haben die Ohren
sich auserkoren,
weil drin gegoren
das Birkennass.

Ich bin nicht nur ein Gartenstock,
ich bin der Birkenbock
und springe nachts, wenn alles schläft.
Doch ich will ehrlich sein:
Es kann gefährlich sein,
wenn einer nachts nach mir nur späht.
Dann kriegt er einen Schock,
bleibt stehen wie ein Stock
und muss mit mir im Regen stehn,
wo alle Leute es dann sehn.

Doch hat er eine Braut,
die sorgend nach ihm schaut,
darf sie bei mir um Gnade für ihn flehn.
Muss ihm den Po versohlen,
dann darf sie ihn holen,
und vielleicht wird dann
die Nacht noch schön.

Doch wenn die Braut
Sich das nicht traut,
hat sie´s versaut
und er bleibt stehn.

Heilig Abend

Es wird Tag in den Gassen.
Seid nicht grausam zu mir
denn ich kann euch nur hassen
hier im schlechten Revier.
Alles Koofmich-Getue
stinkt zum Himmel hinauf
und es raubt mir die Ruhe
für den Tagesablauf.

Wenn die Sonne emporsteigt
aus Wolken und Dünsten
bis sie wieder sich hinneigt
widme ich mich den Künsten.
Male, klebe und dichte,
was mein Herz mir befiehlt,
dass ich hier nur berichte,
was mir keiner mehr stiehlt.

Es wird Nacht in den Stuben,
lasst den Frieden herein
und entzündet die Kerzen.
Ihr helllichter Schein,
er verwandelt in Buben
und Kleinmägdelein schön
alle Menschen im Herzen,
die das Weihnachts-Licht sehn.

Das Wunder des Friedens
könnten Kinder erflehn,
wenn mit brennenden Augen
unterm Christbaum sie stehn.
Ach, dass alle so werden,
wie die Kleinen es sind,
dann wär Frieden auf Erden
wie´s der Engel verkünd´t.

https://youtu.be/ocMhlVaQjcc
https://youtu.be/cz5G1JxnkMI

stricken

Bin die Strickerin momentan
Weihnachtsgeschenke stehen an
Alles benötigt Zeit
Kein Ende weit und breit
Wie soll´s bloß fertig werden?

Jetzt sitz ich hier und schreibe
und weil ich sitzen bleibe
Kann ich nicht stricken
und dann niemand beglücken
damit. Also stricken bis zum Hellwerden?

Nö, das wär nicht schön.
Lieber beizeiten schlafen gehn.
Die Sorgen
mach ich mir morgen.
Darüber muss ich mir klarwerden.

Weihnachtsstrickerei.
Hände sind wie Blei.
Schulter tut nur noch weh.
Ach, ich gesteh:
Manches wird mir zu viel auf Erden!

Kleine Welt

Die große Welt schaut oft herein
nun sitzen wir bei Kerzenschein
und wollen nicht dran denken.
Wer wird den Kindern groß und klein
an Weihnacht etwas schenken,
dort, wo die Bomben fallen?
Ich glaube nicht, dass es im Krieg
in Syrien, Afghanistan und allen
dort Lichter gibt, der Kerzenschein
wird mehr als Nacht erhellen.
Wie soll man sich dazu stellen?

Ich hasse Krieg und Morden -
Lebenskampf ist doch genug.
Wann werden nur die Menschen klug?
So viele Fragen – bei mir ist stille Zeit
im Zimmer immer -
da draußen die Welt hat´s schlimmer.

Siehe auch Impressum

Schattenleben

Auf der Schattengrenze meiner Schattenwelt,
die kleine Nachtmusik mit Schattentänzen
Immer nur unendliche Sehnsucht ohne Erfüllung
in matter Dämmerung dahinwelken – Schicksal Frau
Mein Ich ohne Furcht krallt die Angst
von Einsamkeit und Ruhe still gepackt, gebeutelt.
Ohne Reue vorwärtsgehen, doch das Dunkel hält
den Abwärtstrend verborgen – nach oben tasten wollend,
hinunter gleiten, plötzlich rutschen ohne Halt zu finden,
stehen bleiben, im Kreis herum fühlen.
Die Leichtigkeit des Seins bezweifeln -

Schattengrenzen

Sonne und Schatten bewegen sich,
ohne einander sind sie nicht.
Grauen Tagen fehlt beides.
Graue Nächte werden durchfunkelt
mit künstlichem Licht oder
des Mondes weißem Strahlen.

Grenzen grenzen den Schatten ein,
Sonnenlicht am Tag und beim Mond
der Nächte Blau oder Grau oder Silber.
Aber auch Grau ist nicht grenzenlos,
schau, wie es wirbelt dunkler oder bizarrheller
an Fassaden, Fenstern und Vorderseiten.

Grenzwertige Farbspiele bereichern,
tragen auf und ab, zerstreuen, bündeln…

Menschen bewegen sich in Licht,
Schatten, Grau oder Farbklängen.
Ohne einander zu sehen oft, vorbei
Drängen, Rennen. Aufgebläht von Luft.
Grenzen nur Schein, kein Innerlichsein,
leere Köpfe, kein eigenes Licht.

Wo die Grenzen verlaufen im Wind
kraftlos zerflatternder Gedanken,
kriechen neue Gesetzmäßigkeiten
wurmartig durch die Bodenmassen.
Keine Sicherheiten schützen die Füße,
durchwurmt bist du bald. Nun büße!

Büße die Sinnlosigkeit deines Gehens
Schattenriss an Hauswänden, falls Sonne

Zeitgerinnsel

Der Einsamkeit Flügel – lautloser Tod
In mattem Weh erliegen – entgehst du,
Wenn du der Erinnerung lebst. Im Dunkel
Der Zeit wachen Auges siehst du
Dem Rinnen wartend zu. Auffliegen Vögel,
Blicke der Liebenden, fern
Bist du ihnen und sie
Kennen deine Nähe nicht.
Das alte Lied verklingt, im Ohr hast du
Die fremden Weisen. Auf dem Beton da
Riecht rasender Gummi unter dir.
Was ist Zeit in der Zeit? Fährst auf Straßen,
Gehst zu Steinen, die hohe Mauer deckt
Ungeliebte Stille, und darüber
Duften die Robinien

Parodie

Um die Ecke wohnt das Glück.
Hol dir doch davon ein Stück.
Wenn du denkst, du kannst es kriegen,
wirst du auf die Nase fliegen.
Greifst du zu, dann ist, oh Schreck
all dein Geld auf einmal weg.

Doch das Glück umflattert hold
jene, die es nicht gewollt,
nicht gesucht, sich nicht geplagt deswegen.
Wenn du nicht dran denkst, dann kommt der Segen
und du stehst wie Pieke As im Regen
oder wie Marie im Gold.

Goldmarie – Pechmarie, alle Hähne krähen
und wer etwas haben will, muss heimlich danach spähen.
Wenn ich tu, als wollt ich einfach gar nichts haben,
kommt alles wie von selbst und bleibt auch klaben …

Unermesslich Mondlicht

Unermesslich Mondlicht auf Gräbern –
unbewacht unter dem Himmel liegen sie
hinter Mauern und unter Bäumen.
Nur 20 oder 25 Jahre, dann werden
Knochen ausgeräumt und verworfen,
dieser Liegeplatz kostet
in der Welt des Kapitals
immer neu verkauft.

Das goldene Kalb auch hier
umtanzt von Christen und
Atheisten, spielt seine Rolle aus
und seine Macht auf allen Flächen.
Selbst der Wald steht stumm.
Die Bäume lauschen
dem Singsang der Menschen,
aber sie nehmen nicht Anteil,

regen sich nicht auf:
Die Vögel wohnen in ihnen.
Zeit ist Geld gellt es
zum Himmel, wo niemand
darauf hört. Die Wolken schweben,
ziehen weiter, lassen Sonne durch
manchmal zum Wärmen
oder verdunkeln die Welt eisig.

Flüsternd klingen wie Mahnung
die Blätter im Wind:
„Hör dem Gellen nicht zu!“

Herbstspaziergang, im Frühling geschrieben

Herbstspaziergang
Aus blaugrünen Wäldern
leuchtet goldgelb
geliebter Birken Laub.
Wir gehen, schreiten aus,
beleben unsern Augenblick
mit himmelblauen Tönen.

Musik der Farben klingt
berauschend, überfließend,
überbordend von den Kaskaden
der Balkone. Winken,
Zauber wehen Okarinatöne und
Hörnerklang in Blauvieolett.

Lämmergewölke schwimmen
gen Abend in Purpursonne,
ziehen rosarote Meere entlang,
glühen auf und dunkeln ab.
Doch neuer Augenschmaus
ergibt sich aus den Schatten,

graublau, rauchfarben
hat das Tönen nie ein Ende.
Wirkt im aufgehenden Mondlicht,
Sterne glänzen, Flugzeuglichter
wandern weiter, da wir
übersättigt in die Träume

fliehen, des Schlafes, der
Ruhenden gibt unglaublich
sanfte Melodien.
Ach scheiden …

Rosa Malve

Der Brunnen des Vergessens

Suchend durchlebe ich meine Zeit.
Handle, das tut mir jetzt schon leid.
Aber vorwärts – es gibt kein Zurück.
Erst ein Mal stürmisch, dann kleineres Stück.
Wo ist das Ziel, wo ist der Sinn
wo endlich ich zufrieden bin?

Fehlerhaftes Schreiten
scheitern und Arme ausbreiten,
nur immer neue Pleiten
in ständig fremden Zeiten.

Warum lerne ich nicht zu leben?
Krüppelgehirn oder karmisch bedingte Schuld?
Kann mir jemand die Antwort geben?
Meditieren mit Kraft und Geduld.
Hineinragen in die Sphären der Zeit
und in die verbundene Glückseligkeit.

Befinde ich mich in der Natur
am Brunnen trinkend ein Teil von ihr
angenommen und völlig pur
als Seiende lebendig innig in mir.
Hier bin ich zu Hause und ungeteilt froh,
weiß nicht mehr warum ich so ängstlich floh.

Kein fehlerhaftes Schreiten.
Glücklich die Arme ausbreiten.
Stoßsteine meiden zur Seiten.
Sein in den eigenen Zeiten.

Der Traum vom Glück

Alle verfolgen ihn, aber wer sucht,
findet nichts. Nur sich selbst, die Suchende.
Lass es sein, verlass Dich nicht auf andere.
Liebe dich selbst so, dass du strahlst,
dann kann das Glück dich finden.

Das angestrengte Suchen
kannst du verfluchen. Sei entspannt,
sei du selbst, dann wirst du erkannt.
Die Suchsucht lässt nur verzweifeln,
zweifeln an allem und jedem.

Das Glück selbst zeigt sich nur für Sekunden,
hat es dich gefunden, dann kannst du gesunden.

In finsterer Nacht

Das dunkle wogen der wolkengebirge
Überfällt mich mit wildem woy
Heim in mein häuschen am waldesrand
Zieht die sehnsuchtswelle in mir
Vergebliches träumen – lass bitterkeiten
Nächtliche stille wellt aus

Sieh – die birkenweiße leuchtet auf
Im scheinwerferlicht eines wagens
Menschen kommen heimgefahren
Von ihren festen und feiern – fegen
Mit ihrem lachen leises grau
Über schwarzgrelle herzeinsamkeiten

Sanfte nebelschwaden stranden
Hinter geschlossenen lidern

Auf- und absteigen

Klamm in der klamm zitternd
Fasst gerissene Handhaut erneut
Steine. Glimmerschiefer – stemmen –
Ziehen- nachtreten Rutscher ausbalanciert
Krähen und Asenvögel geiergleich
Kreisen über – spähen nieder – warten
Ich werde nicht euer Opfer ich nicht
Gefräßige Gierschlünder korallenrote

Gipfelstürmer frohlockend blutig-rissig
Horizontweit Wälder – Felder – Wiesen
Berg – Schattenriesen Murmelbäche
Krüppelkiefer Heidekrautbiene
Sagengestalten walten und wallen
Abstieg am gefährlich starrenden Felsen
Sondertraum helllichter Wasser
Klarkühlend silberfädig wie Glimmer

Wege und Nebenpfade

Zielorientiert und doch fast planlos
Bald ist mein Weg am Ende
Wer weiß, wie weit es noch ist
Nebelumwabert der Weg, neben
Bäumen und Menschen, alle fremd
schreite ich gerade und doch träumend

Welcher Weg ist meiner? Oder
gibt es begehbar Nebenpfade.
Stößt ein anderes Selbst zu mir
gemeinsam zu wandern?
Hoffnung schimmert durch
Nebelschwaden und Bäume

Arg, geht es mich an. Alleinsein
Manchmal nicht auszuhalten
Immer Augen offen und schauen
Niemals ganz locker und entspannt
Erwartungen türmen sich immer wieder und
zerfließen wie Schnee im Regen

Plötzlich ein Neues, ein Anfang.
Kann ich vertrauen, darf ich?
Sehnsucht schwillt an und überbordet.
Glücksschmerz. Wildheit im eigenen Blut.
Ist Dauer wünschenswert? Wieso
weiß ich das nicht – will´s auch nicht wissen?

Für März

Wenn an dürren Winterzweigen
sich die ersten Knospen zeigen,
bekommt das Herz stets neuen Schwung
und ich fühl mich wieder jung,
weil ja alle Säfte steigen.

Vögel, die da jetzt beginnen
Und das Treiben laut besingen,
werben nun um ihren Schatz,
sei es Amsel oder Spatz.
Nur mein Herz macht einen Rutsch:
Liebe ist ja futsch.

Aber es wird durchgeblüht,
ganz egal, was noch geschieht.
Man kann auf die Nase fliegen,
doch da bleibt man nicht gern liegen.
Ganz egal, was nun geschieht:
ES WIRD DURCHGEBLÜHT!

Blumen weinen

Die blasse Rade wand sich
Ähren wogten, blau dazwischen zitterts
Der Mohn strahlt feuerrot
Gleißt und glitzert, tropft
Die Tränen fallen, stürzen nieder
Der Mohn – das Weib – blutet
Und weint
Blutet und weint
Wie nur die Blumen weinen
Kornblumen Kornraden stehen
Veilchen und Senf leuchtend gelb
Nicken dazu, sie wissen
Dir das Geheimnis
Dir die Schuld im Dunkel
Nun sühne. Sühne rasch

duften – verduften – verblühen

Der Mohn, das Weib

Klage

Im Irren nur ist Wahrheit sanft
Am Abendmahl betrinken – munde
An Morgenlichten birkenfarben
Rosenrotes Bluten, Wolkenferne
Schattengraue tote Bäume steigen
In die Augennähe erdendunkelnd
Aufsteigen Schwerter der Narrenzunft
Im Gewölbe rot und weiß und gültig
Trauerfallen fällen Bäume – Türme. Wagen
Rasen horizontal gefälliger Weite
Entgegen. Abwärts ragen dürre Wasser
Qual drängt – prägt Öde ode an
Ich ersann wachsenwollend Leitern
Zum Ersteigen, fallen unumgänglich
IrdenmenschIn wurzellose Eine
Immer wieder irrend, wirres Irren

Wechselgesang

Jung muss man sein,
Jung musst du bleiben,
Klug muss man sein,
Klug kannst du werden,
Schön muss man sein,
Schönheit kommt von innen,
Lieb muss man sein,
Lieb kannst du gewinnen

Wiegenlied

Ehe du geboren warst,
Liebten wir dich schon, mein Kind,
Sehnten wir uns schon nach dir.
Frage nur den Abendwind.
Leise raunt er es dir zu
Und er wünscht dir sanfte Ruh.

Schließe fest die Äugelein.
Sandmann streute Sand hinein.
Mami singt dich zärtlich ein:
Schlaf mein süßes Kindelein.
Bald umfängt auch dich ein Traum,
Frühlingsluft und Blütenbaum.

Zeit
Meine Seele irrte im Niemandsland
der Zeit. In Teile und Anteile zerfiel,
woraus ich ein Ganzes war.
Im Spiegel der Stille nun
währen die Zeiten nicht.
Dort gibt es nur Raum und Sein.
Zeit ist ein Fremdwort für Seelen.
Sie reifen für Karma und Wiederkehr.
Sie sind – Inhalt –Ausdruck – ewig.

Der Mohn, das Weib
Der Mohn, das Weib

Die Idisen

Wohlgeachtet trugen sie das Wissen.
Ihre leichten Hände waren kundig.
Aufrecht standen sie an Krankenbetten,
Heilten viele Leiden ohne Zögern
Und erteilten ruhig Sterbehilfe.
Ihnen galt der Ruf, wenn Mütter kreißten,
Neugebor´ne hielten sie ins Licht.

Ihre Augen wählten auf den Wiesen.
Baum und Kraut beschenkten sie mit Kräften.
In den Wäldern gruben sie nach Wurzeln,
Wussten Wundertränke zu bereiten,
Kannten auch der Menschen Lust und Wehe,
Wollten selber leben und gedeihen,
Darum suchten neue Kenntnis sie.

Manchen Fehler gab es zu beklagen,
Den zur Last sie bösen Geistern legten,
Die in Wettern und im Schornstein toben.
Aber lernen musste schließlich jede.
Ihre Hilfe überwog bei allem.
Manchmal brauchten sie sogar das Messer,
Webten selbst das Leinen zum Verband.

Auch der Sprache Mächtigkeit und Klänge
Nutzten sie mit ihren weisen Sprüchen,
Mit Beschwörungsformeln, kleinen Versen,
Einschlaflieder formten sie zu Bräuchen,
Um den Kindern Nähe zu verschaffen,
Wenn die Brüste keine Milch mehr gaben.
Ihre Macht beängstigte die Starken,

Nannten Hexen sie. – Verbrannt ihr Wissen.