Einige neue Gedichte - oder vielleicht nur Texte - von diesem Jahr 2016

Klarheit

Klares Denken ist nicht einfach.
Medien verdummen, Verkäufer
lügen Bedarf, Überflussgesellschaft
wirft weg, was voll Liebe echt war.

Erfolge stärken das Selbstbild,
an Misserfolgen sind andere schuld.
Vernunft? Fehlanzeige. Alle
nehmen, was sie kriegen können.

Bekommen den Hals nicht voll.
Hunger nach Neuheiten, fressen
und saufen zu viel. Fette Ärsche
sogar schon bei Kindern. Fastfood Kids.

Abgesetzt vertraue ich meinem Gefühl:
Das brauche ich alles nicht.
Wärme und kleine Freuden,
Sonne und Natur leuchten mir.

Namenlos

Hatte ich je einen Engel an meiner Seite?
Trieb ich nicht namenlos auf den Wirbeln der Zeit?
Gertrud, die Speerstarke, wie fürchterlich!
Elisabeth, Stab Gottes, wie unpassend.
Beides zusammen Ger-El, als Scherel,
lange als passend empfunden, wurde,
da es mir nicht reichte, zu Gerelca; das
Calow ließ ich mir nicht dreimal nehmen.

Eine fremde Heilerin – War in ihr mein Engel?
- löste ein Wünschen in mir, geLinde zu sein.
Linde Gerelca, das bin ich tatsächlich!
Weisheit und immer noch –
heitere Gelassenheit
winken mir am Ziel
aller meiner Bemühungen.

Arbeit ist das. Tägliches Wirken an der inneren
und äußeren, eigenen Natur, am Geistleib und
an der Seele, die nicht zur Ruhe meines Seins
mich zu bringen vermöchten, weder zeitfern
noch gestern. Und wie wird es heute sein?

Sonne im Herzen

Wirtschaftsjournale filtern
Misserfolge aus. Nur
erfolgreiche Menschen seien
echte Strategen des Glücks.

Aber Glücklichsein liegt
in den Genen. Auch von dort
scheiden die Niederlagen aus.
Optimisten leben länger,

auch wenn sie sich belügen.
Depressive sehen klarer,
aber meist nur sich selbst.
Ein fröhliches Herz zu haben,
wünsche ich mir alle Tage,
lächeln – nicht lachen – heutzutage
wird das oft verwechselt,
von innen heraus und achtungsvoll.

Wechsel

Der Winter, der kein Winter war:
Schmuddelwetter, wenig Schnee,
keine Kälte, nur Wind –
scheidet wohl bald. Na klar,

Frühling schiebt Krokusse
aus der Erde. Schneeball
verblüht langsam. Schneeglöckchen
tönen mit Christrosen und Immertreu wetteifernd.

Abendsonne hinter den kahlen Bäumen
spiegelt sich im Teich glitzernd.
Nil-Gänse zupfen am Gefieder
neuer Brunst entgegen. LANGSAM,

nicht zu rasch, gibt vielleicht
noch überraschend Kälte!
Wir hatten schon mal Schnee
im Mai. Blüten geschwärzt. Kein Obst.

Am See will ich sitzen.
Glitzertropfen der Fontäne
auf dem Gesicht. Klare Augen.
Fallenlassen in die Wärme des Lenzes.

Gelöst. Getröstet von selbst.
Innewerden der eigenen Kraft
in der Einsamkeit der neuen Wohnung.
Ausblicke wunderbar, schauen in lichte Ferne

Vorfrühlingserwachen

Im Kurpark erste Primeln
rosa, weiß und gelb
wetteifern mit Winterlingen.
Die Schatten der kahlen Bäume
windbewegt, lebendig.

Auf der Brücke
das schöne Metallgeländer
geschmückt mit Schlössern
von Liebenden, mit Namen
eingravierte Treueschwüre.

Möge uns der Glaube daran
über dürftige Gefühle täuschen!
Träume sind schön.
Wenn sie verflogen sind, kommt
Hoffnung auf neuen Frühling.

Erwachen aus Farbennebeln –
Wolken sanft rosig angehaucht,
Morgensonne und Mond zugleich –
Vögel beginnen zu vögeln.
Könnte ich doch ihr Lied singen …

Retrospektive

Damals, ich wusste nicht,
dass ich es anders weiß, – Glaube
an Liebe? – Gefühle
von Neid auf andere Paare.

Das sah so leicht aus bei denen.
Haben die auch kämpfen müssen?
Er hasste mich, glaubte
mich zu kennen. Daneben

lagen seine Annahmen.
Doch zu wenig besprochen?
Meine Schmerzen glaubte er
mir nicht, fühlte nicht mit mir,

konnte nicht spiegeln, nur kalt
verurteilen, was ihm fremd. Meine
Trauer – gegossen in Depris – verachtete er
kaltschnäuzig damals. Weiß er`s heute besser?

Überzeugungen

Im Internet tummeln sich
Gleichgesinnte in Foren und Blogs.
Der Schein schweißt zusammen,
Oberflächlichkeit erwünscht.

Andere Geister fad finden,
Innerlichkeit verachten,
auch „Übersensibilität“,
welch schreckliches Wort.

Empfindungen teilen geht nicht.
Jeder ist anders, hat andere Sicht.
Worte sind nur Vehikel.
Scheinheilig schimmern Schlauberger.

Wer unterscheidet noch
Träume von Illusionen?
Vielleicht bin ja auch ich
voreingenommen blind …

Wunder

Unglaubliche Vorfälle
kommen vor, öfter, als wir denken.
Was wir als Folge von Ereignissen sehen,
wurzelt dort gar nicht.

Ursächlich ist es Zufall,
der eben geschieht. Manchmal
erwünscht, immer verkannt.
Keiner kann über seinen Schatten…

Aber wir lernen bis ins Alter,
leider oft das Falsche.
Umlernen ist dann schwer,
keiner hat die Weisheit mit Löffeln …

Erinnerst du dich? Aber damals
war alles anders. Erinnern hilft nicht.
Neue Entscheidungen müssen fallen
täglich neu für Wunder

Böse Ahnungen

Bauchgefühl warnt uns oft.
Intuition ist vonnöten.
Zugang zum eigenen Selbst selten.
Böse Gesichter fallen uns auf.

Lächeln ist allgegenwärtig.,
aber nicht alle kommen von Herzen.
Das ewige Zähne-zeigen – lästig.
Lachmöwe Lachesis mystisch

mit geschlossenem Mund. Augen
verraten mit Lachfältchen,
wo man gerne lacht. Aber
nicht alle nach unten weisenden Falten

sind hämisch, Leid schafft sie ebenso,
auch schmale Lippen. Augen
sprechen mehr, als der Mund.
Kann man ihnen denn glauben?

Warten ist schwer

Hoffen und Harren …
Wer ist hier Narr?
Wenn die Situation
handeln erfordert,
geht es uns besser.
Wir lernen im Tun.

Untätig herumsitzen müssen
macht grämlich, düstere
Gedanken schwächen. Sinn
macht nur, tatsächlich sein.
Mühevoll grübelnd vergeht
die Zeit nicht. Bangigkeit
breitet sich aus, füllt
das Herz mit Sorgen an,
bis es überläuft oder bricht.

Gebrochene Seelen sind unsichtbar,
aber da und dort und überall
im Gewimmel der Städte
im Business, Shoppend
gleichen die Reichen aus,
was die Ärmeren nicht können.

Vergessen. Törichte Freude
an Dingen, an Sachen,
statt Beziehungen, statt
Leben leben. Warten, warten

Schöne Erde

The earth is beautiful. If you start living its beauty, enjoying its joys with no guilt in your heart, you are in paradise. If you condemn everything, every small joy, if you become a condemner, a poisoner, then the same earth turns into a hell — only for you. It depends on you, where you live, it is your own inner transformation. It is not a change of place, it is a change of inner space.”

“ Be loving to the earth. Sow the seeds of love on the earth.The question is not for you to enter into some paradise in the skies. On the contrary, the question is how to transform this earth into paradise. It has all the potential. Just an awakening about the potential of the earth, about the potential of the people on the earth, and there will be no talk about any heaven or any paradise or any God. Man can become complete, fulfilled unto himself.This earth is our home, it is our mother.

“The earth is searching through you for its own meaning. You are the highest evolved part of the earth. Have you ever considered? — your body is earth, your brain is earth, your heart is earth. You are the highest flowering, a great metamorphosis. There seems to be no connection between the earth and your eyes, but your eyes are nothing but the eyes of the earth. It is an effort of the earth to see. Your ears are an effort of the earth to hear the music.”

Die Erde ist wunderschön. Leben, wenn du seine Schönheit genießt Diese ihre Freuden kannst du ohne Schuldgefühle in Deinem Herzen genießen, sie sind wie im Paradies. Wenn du alles verurteilen wolltest, jede kleine Freude, würdest du dich zu einem Condemner, einem Giftmischer entwickeln, dann würde sich die gleiche Erde verwandeln in einen Teufel – nur für dich. Es hängt von dir ab, wo sie leben, es ist deine eigene innere Wandlung. Es handelt sich nicht um eine Veränderung des Ortes, es handelt sich um eine Änderung des inneren Raumes.”
“ Du darfst sein, um die Erde zu lieben. Streu die Samen der Liebe auf der Erde. Die Frage ist nicht, für sie herzugeben ein Paradies im Himmel. Im Gegenteil, die Frage ist, wie diese Erde zu transformieren wäre ins Paradies. Es hat alle Möglichkeiten. Nur ein Erkennen des Potenzials der Erde, des Potenzials der Menschen auf der Erde, und es wird keine Rede mehr sein über einen Himmel oder das Paradies oder einen Gott. Der Mensch kann vollständig erfüllt werden für sich selbst. Diese Erde ist unsere Heimat, ist es unsere Mutter.
Die Erde ist da, suche sie für deine eigene Bedeutung. Du bist vielleicht der höchst entwickelte Teil der Erde. Hast du mal darüber nachgedacht? — Dein Körper ist die Erde, dein Hirn ist die Erde, dein Herz ist die Erde. Du bist in der höchsten Blüte, eine große Metamorphose. Es scheint keinen Zusammenhang zwischen der Erde und deinen Augen zu geben, aber deine Augen sind nichts anderes als die Augen der Erde. Es ist ein Versuch der Erde sich zu sehen. Deine Ohren sind ein Versuch der Erde, um die Musik zu hören.”

Der Text stammt nicht von mir, sondern von Divya Ghandha, Fauzia Arshi, Sshivani Durga und anderen Personen

3. Advent 2015

Frèderic Lionel:
Das Erwachen ist ein ständiges Fortschreiten – und wer meint, er sei angekommen, der ist in Wirklichkeit noch gar nicht aufgebrochen …

R. M. Rilke:
Der Engel
Mit einem Neigen seiner Stirne weist
er weit von sich, was einschränkt und verpflichtet;
denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet
das ewig Kommende, das kreist.

Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,
und jede kann ihm rufen: komm, erkenn – .
Gib seinen leichten Händen nichts zu halten
aus deinem Lastenden. Sie kämen denn

bei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,
und gingen wie Erzürnte durch das Haus
und griffen dich, als ob sie dich erschüfen,
und brächten dich aus deiner Form heraus.

Abschied

(“Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschaun,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ”
Rainer M. Rilke)
Das kommt und geht und zögert nicht, mich anzusehn.
und hält mich hin im Auf und Ab und lässt mich gehn.
Und hält mich nicht und weiß, dass es das könnte,
und wollte doch nicht, dass auch ich es weiß,
weil es mir weiter nicht sich selber gönnte
zersprengt es den gewahrten Kreis.

Was ich gekannt und was an dir mich rührte, ,
ist eine Saite, die noch immer klingt,
und wo ich deine Nähe spürte,
war deine Tiefe, die im Bogen schwingt
den du gezogen über meinen Leib.
Und in dem süßen Lied hieß es: Ich bleib.

Machtvolle Gier nach Leben

Verlangen

Sehnsucht in mir lässt sich nicht bezähmen
Überallhin geht sie mit
Schritt für Schritt
Will nicht lähmen, sich nicht schämen
Braucht Erfüllung
Innen, Körper und Geist
Nacktheit – Enthüllung
Der Körper – unruhig meist

Funkzeichen in den Raum
Aus Denken, aus Fühlen, aus Traum
Überall wird gesendet
Sehnsucht, die nicht endet
Bleibt nicht mehr still und leise
Brüllt auf seine Weise
Texte in Trillern und Schleifen
Töne, die Vögel pfeifen

Liebessehnsucht – Lust – Verlangen
Wo war das denn früher versteckt?
Verborgen im Morgen – langes Bangen
Wer hat die Flüsse des Körpers geweckt?
Dazu muss man stehen – affengeil
Früher nannt man es Amors Pfeil
Hingabe wird erfleht und gewährt
Weil das Herz die Sehnsucht genährt

Fantasien

Nackte Körper dehnen sich im Wind
Dreht sich die Welt, wie es gefällt
Wo doch die Kriege und das Morden da sind
Unübersehbar in den Medien – das Kind
in mir ist oft verzagt – es fragt – klagt
Ich will mein Verlangen stillen
Glückseligkeit soll mich erfüllen
Was kümmert uns der Schrei der Welt?

Kräfte erstehen aus Träumen und Nacht
Säfte fließen – wer hätte gedacht,
dass es noch sein könnte, dürfte, sein muss
Irgendwann dachte ich, wäre doch Schluss
Solange wir leben verlangen wir
Wir sind nicht nur Geist, auch Tier
Mit der Körperlichkeit –dem Verlangen
lag ich im Streit – Gefangen

Auf weichen Kissen knien und küssen
Im lohenden Strudel von Lust
Schwillt der Körper, die Brust
Fülle und bangen und schreien müssen
Komm her zu mir – ich bin bereit
In mir ist herrliche Flüssigkeit
Ich biete sie dir, will doch leben
Alles Glück möchte ich dir geben

Meine Gelüste erfüllen – Flucht aus der Wirklichkeit
Träume und Fantasie – alles fällt aus der Zeit

Ein Erfolg

Am 29.10.2014 um 14:46 schrieb redaktion@frankfurter-bibliothek.de:
Über Ihre Einsendung zur Frankfurter Bibliothek haben wir uns sehr gefreut. Wir freuen uns besonders, dass Ihr Beitrag zum Abdruck aufgenommen wurde, und ich darf Ihnen dazu gratulieren!

Dies ist das eingesendete Gedicht, die letzte Strophe ließ ich für die Einsendung fort.

Mein Leben
Das Leben war nie leicht für mich
Und trotzdem leb ich immer wieder gern.
Es ist wie eine wunderschöne Melodie:
Mal hoch, mal tief und oftmals fern.
Sehr leise, wenn der Schmerz nur pocht,
crescendo, wenn er wühlt.
Doch überfordert ist mein Herz,
wenn es nur Trauer fühlt.
Heut scheint die Sonne frühlingshaft,
drum sing ich laut und voller Glühen.
Bei warmem Regen steigt der Saft,
alles beginnt zu blühen.
Der Vögel Sang, der Sterne Klang,
das Pflanzenfarbenrauschen,
lässt mich verstummen. Stundenlang
kann ich dem Leben lauschen.
Warum bestraft die Erde sich
mit Menschen, die sie schänden?
Sie hofft auf Änderung wie ich.
Wann wird das Blatt sich wenden?——————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————-
So viele sehen es und klagen
den Kommerz an, die Überproduktion.
Sie müssen es nur lauter sagen,
denn dafür kämpfen muss man schon.

Herbst

Herbstlicher Übergang

Wenn die Wechsel der Zeit Trauer sind
Und nichts mehr blüht,
jagen die Idisen wieder herbei
und treten in den Kreis.
Wo die Straßentreffs winken
Und unter breitkronigen Bäumen,
auf den Bergen mit Aussicht,
und in den feuchten Höhlen der Felsen
weiht die Frauen dem Wasser,
das Leben ist, dem Mond und
dem Feuer, die Leben sind,
der Nacht und dem Wachstum,
Leben und Tod.

Im Kreislauf des Jahres
Vergeht die Zeit. Treffen sich
Zukunft und die Vergangenheit.
Vorwärts schauen kann beglücken,
rückwärts sehen nur bedrücken.
Jetzt sind wir hier, sind wir da.
Nebeneinander und nah.
Der Ofen schenkt Wärme und Wohlbehagen.
Musst nur beizeiten Holz einschlagen,
hacken und stapeln, ins Haus reintragen,
dann hat`s keine Not.

Verneinung

Ich mag nicht

Ich mag nicht sein
In fremdem Schatten.
Ich mag nicht sein
In fremdem Licht.

Nimm dich in acht
Vor fremden Glatten,
da wo du gehst.
Hab eig`nes Licht.

Denn Tag und Nacht
Sind immer ganz,
nicht Menschen, drum
halte Distanz.

Gib dich nicht ab
Mit fremdem Platten.
Halt dich nicht fest
An fremder Sicht.

Die Hungrigen
Und auch die Satten
Betteln und sättigen
Dich nicht.

Und wer ist fremd?
Das ist die Tragik.
Kennst du dich denn
In diesem Augenblick?

Müssen und lügen

Müssen und lügen

Dunkelrundkrumm beugen muss ich mich.
Kleinhartschwarz – wenn gleich weichbewusst,
federsteinige Grazilfelsen entwachsen
meinen kleinen Händen, meiner Zunge,
meinem Stift – Mengen.
Die bemängelte Quantität
Schrumpft zur Qualität nicht
Von allein. Schreiben lernen heißt,
sich zum Streichen erziehen,
oder schon im Kopf sortieren.

Geradeweißbiegen im Bücken ist out
Wie nach Sternen greifen und lieben.
Inn ist, wer schon gelogen hat und lügt,
um aller Vorteile willen. Dann schon
Berufslügen – Wahrheit, lieber Geschichten erzählen,
statt Kommunikationsunwahrheiten en gros
auf jeder Schwelle, an jeder Mauer,
auf allen Stufen, in aller Munde.
Denn niemals schlägt eine Stunde der Wahrheit
Jenen, die den Nutzen praktizieren.

Am Morgen

Am Morgen

Nebel hebt sich aus den Feldern
Und den Wiesen nah am Fluss,
ein Konzert: die Vögel singen,
dass frau einfach lauschen muss. Halte ein für eine Weile, wenn der junge Tag beginnt und vergiss mal deine Sorgen. Sieh der Spinne zu, die spinnt.

Andre Stimmen, die sich mischen,
und das Morgenrot erglüht
wie ein Feuerball am Himmel,
wenn dein Kaffee grade brüht. Halte ein …

Und dann leg los für deinen Tag.
Dein Herz mach froh, voll Dankbarkeit,
dass jeden Morgen kommt die Sonne.
Das ist dein Leben, deine Zeit. Die kann dir niemand stehlen, auch wenn du darin Geld verdienst. Es ist für dich, es ist dein Leben Und nicht ein fremdes Hirngespinst.

Lachen

Nicht immer kann man Lachen

Man kann nicht immer lachen,
doch kann man Sachen machen,
die den Witz anfachen:
Frau lässt es manchmal krachen.

Der Regen

Regen

Regen und sich bewegen
Bedeutet Segen, bedeutet wachsen
Und größer werden für alles auf Erden.

Wo Pfützen sind freut sich das Kind.
Es möchte patschen, mit Modder klatschen
und in den Pfützen mit Wasser spritzen.

Erst richtig nass endet der Spaß
Dann, wenn sie frieren und sich genieren
Mit nassen Hosen heim zu gehen.

Doch du wirst sehen,
nur davon werden sie nicht krank.
Erst eine Husche unter der Dusche,

dann frische Kleidung aus dem Schrank.
Mama sei Dank!

Die kleinen Leute

Kleine Leute

Kinder sind keine, die ich meine,
sind kurz geblieben, sie brauchen Stiegen
und brauchen Leitern,
wenn sie nach oben möchten.

Unter eins fünfzig ist es nicht günstig,
denken die meisten. Doch was die leisten
in dieser Welt, wo alles fällt!
Wir würden lügen und stress verbreiten,

wenn wir nicht wüssten, selbst an den Küsten
liegt alles unten, was uns gefällt.
Doch die Gerechten loben die echten
Und starken kleinen, di drum nicht weinen.

Sie wissen alle in jenem Falle
sie Arbeit wollen, wo größere sich bücken sollen
und darum schmollen und grollen,
die kleinen sind schon unten und ham´s gefunden.

Es geschah

Die Menschen und das Paradies

Lilith war Adams erste Frau,
geschaffen beide von der Mutter Erde.
Als er ihr zu dumm wurde,
verließ sie das Paradies freiwillig
mit ihren Kindern.

„Ich will nicht allein sein,
Gott, schaff mir eine Gespielin
Aus meinem Fleisch und Blut,
damit ich sie lieben kann
wie Lilith ihre Kinder.“

So wurde Eva gemacht
Aus seiner Rippe, dumm wie er,
aber mit Sehnsucht nach Erkenntnis.
Da wurden sie vertrieben
und Kain erschlug Abel
aus dummer Eifersucht.

Historisches

Heilige Orte

Andächtig stehe ich im Dom.
Der hohe Raum, die Blicke schweifen,
lässt mich die Heiligkeit begreifen
als einen Thron für Gottes Sohn.

Schon vor dem Christentum
war dieser Ort den Menschen heilig.
Sie hatten´s eilig für Christi Ruhm
ihn zu belegen als Gottessegen.

Alte Altäre, Steine, Bäume
benutzten sie für diesen Bau.
Vernichten wollten sie die Frau,
die Göttin, die hier schenkte Träume,

die Antwort gab, wenn man sie bat.
Hier war einmal ein Grab.
Hier waltet Segen, hier ruht der Schmerz
und alle schauen himmelwärts.

Ganz anderes Thema

Leid
Hast du Leid
So nimm es ganz
Tief und still in dich hinein.
Trag es bei dir allezeit.
Wehrs nicht ab,
denn es ist dein.

Durch die leidgefüllten Hände
Wird noch manche Träne rinnen,
doch hier ist noch kein Ende.
Leid heißt immer:
Neu beginnen.

So geläutert
Kehrst du heim.
Aufgeben wär nicht das Ende.
Neu musst du werden.
Neu wirst du sein.

Gerel Calow

Scheiden

Steh als Weide am Bach
Wünsch mir fort zu gehn
Halte die Zweige wie Sehnen
Hinein, fließen schon

Reiß aus dem Boden
Die Wurzeln mir
Falle
Brückig von Ufer zu Ufer

Seh da liegen, was war
An mir hart und hohl
Wurzle am Ufer, dem neuen
Treibe frischen Saft Weide

Mitten im Leben ein Neubeginn
Doch nicht völlig anders
Ich war und bin ich
Was ich auch werde.

Aufblicken

Unterm Sternenhimmel

Unterm Sternenhimmel sind wir klein
und voller Sehnsucht. Kann es sein,
dass wir da oben die Heimat haben?

Ein fremder Stern, sehr weit und fern,
das wüsst ich gern: Woher wir kommen, wohin wir gehen,
warum wir hier so staunend stehen.

Streute ein Stern des Lebens Gaben
ins All hinaus? Traf er ins Wasser,
woher wir kommen, wie alles Leben.

Denn alles ist darin geschwommen
und später erst an Land gegangen,
im Meer hat alles angefangen.

Mehrmals zerstört und niemals ganz vergangen.
Ich geh ins Haus und trinke Wasser.
Nur das kann unser Leben heben.

Zeit der Bäume

Zeit der Bäume

In den Wäldern, an den Straßen
hocken Druden in den Bäumen,
tollen Hollen in den Sträuchern
zwischen Wurzeln und Gebüschen.

Manchmal lernen Kinder sehen
und mit ihnen Träume tauschen,
wenn sie in dem Blätterrauschen
unter Holderbüschen stehen.

Manchmal sind es Sonntagskinder,
die im Lärm der Städte wohnen,
sich in Zweigen Nester bauen,
Stamm und Blätter sorgsam schonen.

Manchmal, wenn Erwachsne trauern,
suchen sie die Kinderbäume,
wollen Rinde streichelnd schauern,
ahnungsvoll in jene Räume

Der vergessnen Druden dringen,
denn das Lallen aus den Blättern
und das Hollenliedersingen
muss im Herzen weiterklingen.

Wenn die Eltern nicht mehr leben,
kennt der Baum dich noch als Kind,
weil die Zeiten dieser Bäume
anders als die unsren sind.

Aber heut nach ein paar Jahren
steht der Kindheitsbaum längst kahl,
schreiend wie ein Marterpfahl,
wo die vielen Autos fahren.

Kranke Bäume, kranke Herzen
gibt es überall im Land,
wo ich Mensch und Auto fand:
Zeit der Bäume – Zeit der Schmerzen.

Waleks Schwämme

Waleks Schwämme

Heimgekehrt
aus dem Dunkel windgefällter Bäume
beuge ich mich
über das Schwarz-Weiß
seiner Holzrisse

Es überrascht mich
hie und da
eine Helligkeit, ein Dunkles

Auf einem Blatt
Gebilde wie Muscheln
- Windbrucherinnerung -
Wachsen aus Schatten
Maserung
Leben

Sein ohne Zwänge?
Schmarotzen doch
diese Pilze
saugen
von der Vergänglichkeit des Holzes

Manchmal
fühle ich mich Baum
und fürchte mich

Regen

Leise, leise
geht der Tropfen
auf die Reise.

Durch die Wolkendächer
auf Kastanienfächer
in das kühle grüne Gras.

In die Rinne hüpfen,
durch die Spalten schlüpfen
und ans Fensterglas.

Leises Klopfen
einer Weise

Beim Essen einer Birne

Beim Essen einer herrlich gelben
Winterbirne

Hilflos schwenke ich gebündelt
Satzreste und Überbleibsel,
Wortfolgen, Informationen.
Wer soll diesen Wust sortieren?
Sinnvoll war es doch gewesen.

Nur der Angst bin ich ganz sicher,
Die mir nicht alleine eigen:
Was, Mensch, machst du aus der Erde?
Wie erhältst du diesen Baum?
Stockend im Genuss der süßen
Herbstfrucht frage ich uns alle:
Werden die Urenkel schmecken
Diesen Saft und dies Aroma?

Melancholie

Melancholie

Die Amsel singt trotz Regen
und schmettert hell ihr Lied.
Die Tropfen fallen leise
beständig in die Pfützen
und bilden weite Seen.

Verblüht die Apfelblüten,
das Gras ist weiß beschneit
von tausend Blütenblättern.
Der Flieder kann nicht duften.
Die Birken biegt der Wind.

Hoch droben graue Wolken
wie Nebelfetzen gleiten,
bedecken gleich das Schimmern,
das wohl die Sonne war.

Verflixte Traurigkeiten!
Verschwindet doch, ihr Grauen!
Lasst sie hindurch, die Strahlen,
und macht mir wieder Mut.